Download Pressematerial 'Die Evakuierung des Himmels' in der Kunsthalle Erfurt

PRESSETEXT:

 

Ab 20. Januar 2018 präsentiert die Kunsthalle Erfurt unter dem Titel „Die Evakuierung des Himmels“ eine große Werkschau des Berliner Malers Ruprecht von Kaufmann. Auf vier Etagen werden rund 120 Arbeiten aus den letzten 15 Jahren zu sehen sein. In die Schau integriert ist auch eine kleine Präsentation von Materialexperimenten, die unter dem Motto „Inside the Studio“ unmittelbare Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers gewährt

Carte Blanche für Ruprecht von Kaufmann: Der Berliner Maler hat eine persönliche Auswahl seiner Arbeiten, die zwischen 2002 und 2017 entstanden sind, für die Kunsthalle Erfurt getroffen. Thematisch geordnet, geben rund 120 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Gouachen und Skizzenbücher einen Einblick in seine Bildproduktion. Auf seinen Bildern begegnen sich Mythologie und Film, Reales trifft auf Surreales, beiläufige Beobachtungen auf große Weltentwürfe. Und über allem schwebt die Frage nach den Grenzen und Möglichkeiten der Malerei und der Selbstverortung des Malers in einer Welt, die ohnehin schon unablässig Bilder produziert.
Die Filmstadt Los Angeles hat ihn geprägt. 1974 in München geboren, studierte Ruprecht von Kaufmann von 1995 bis 1997 Illustration am Art Center College of Design in der kalifornischen Metropole. Danach zog er für zweieinhalb Jahre nach New York. Seit 2003 lebt und arbeitet von Kaufmann in Berlin. Seine figurative Malerei ist häufig geprägt von einer filmischen Erzählweise, die sich jedoch nicht konkreter Vorlagen bedient. Auch die Personen auf seinen Bildern entspringen stets seiner Fantasie.

Gerade auf seinen großformatigen Werken fügen sich parallele Erzählstränge aneinander und ergeben so eine fiktive Handlung, die sich erst im Kopf des Betrachters mit all ihren Widersprüchen zusammenfügt.
So etwa auf dem atelierfrischen, 7,50 x 2 Meter großen, aus fünf Paneelen bestehenden Panoramagemälde „In the House“, das einen zentralen Platz in der Erfurter Ausstellung einnimmt. Zu sehen sind verschiedene Räume eines Gebäudes, die zunächst nur  durch Spuren auf ihre Bewohner hinweisen: ein Putzeimer im Treppenhaus oder ein Overall am Kleiderhaken im Bad. Je mehr man sich mit dem Bild auseinandersetzt, um so tiefer dringt man in die inneren Räume vor: Im Schlafzimmer scheint eine Frau im Bett zu versinken, eine andere stürzt oder schwebt in einem Scherbenregen durch ein Dachfenster. Es bleibt unklar, ob das Haus ein großes, puppenstubenartig aufgefächertes Mietshaus ist, ein Bühnenbild oder nur eine Strandhütte. Surreale Momente mischen sich auch hier wieder mit realen Szenen.
Mit grundlegenden Fragen wie „Was kann Malerei?“ beschäftigte sich Ruprecht von Kaufmann in den letzten 15 Jahren intensiv. Doch nicht nur auf der inhaltlichen Ebene, sondern auch in der Maltechnik geht er nahezu analytisch an malerische Fragen heran. Er unterzieht seine Figuren verunklärenden Nachbearbeitungsprozessen, etwa indem er am Ende ihre Gesichter verwischt oder mit dem Linoleummesser in sie hineinschneidet.
Seit einigen Jahren verwendet er farbiges Linoleum als Malgrund für seine Ölgemälde. Einritzungen, Ausschabungen und abstrakte Strukturen setzen hier ebenso bestimmte Akzente wie dicke Farbklumpen, die der Künstler am Ende eines Maltages von der Palette schabt und mit scheinbarer Nonchalance auf die Bilder aufbringt. Diese Geste versteht er als eine Art von Tagebucheintragung.
Die haptische Qualität als Charakteristikum der Malerei Ruprecht von Kaufmanns wird in der Erfurter Ausstellung besonders herausgearbeitet. Gewissermaßen als Schau in der Schau ist unter der Kapitelüberschrift „Inside the Studio“ eine Präsentation von Materialexperimenten zu sehen. Hier wird für den Besucher nachvollziehbar, wie der Maler mit Fiberglas, Seidenmalerei, Filz, Gummi oder Wachs experimentiert.
Französische Comics, „Die satanischen Verse“ von Salman Rushdie oder die verschachtelten Romane von Paul Auster bilden weitere Folien für Ruprecht von Kaufmanns Malerei. Einfache Antworten auf die großen Fragen unserer Existenz sind von seinen Bildern nicht zu erwarten. Aber das wäre ja auch langweilig. Vielmehr löst die Betrachtung seiner komplexen Bilderzählungen auch beim Ausstellungsbesucher eine Art tiefgründiger Introspektion und Sinnsuche aus. Und überhaupt: Wenn der Himmel evakuiert wird, wohin gehen dann die Götter?
Konzept der Ausstellung: Ruprecht von Kaufmann und Prof. Dr. Kai Uwe Schierz

Ruprecht von Kaufmann: Die Evakuierung des Himmels
Kunsthalle Erfurt
20. Januar bis 2. April 2018

 

KURZVITA:

GEBOREN am 28.02.1974 in München,

1995 - 1997  Studium für Malerei am Art Center College of Design, Los Angeles, USA
2012- 2014      Professur für Anatomie und Zeichnung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig

EINZELAUSSTELLUNGEN

2019    ‘Ruprecht von Kaufmann’, Kunstsammlung Neubrandenburg
2018    `Die Evakuierung des Himmels´, Kunsthalle Erfurt
2015    `Grösserbesserschnellermehr´, Forum Kunst, Rottweil
2014    `Fabel´, Georg Kolbe Museum, Berlin
    `Carna(va)l´, Museum Abtei Liesborn, Liesborn
2013    `Die Nacht´, Junge Kunst e.V. Wolfsburg
2011    `Zwischenzeit´, Neue Galerie Gladbeck, Gladbeck
2010    `Herr Lampe´, Bundesbank, Frankfurt
2009    `Halbmast´, Philara Colection, Düsseldorf
2007    `Eine Übersicht´, Konrad-Adenauer-Foundation, Berlin
2006     `Bathosphere´, Kunstverein Göttingen
   

GRUPPENAUSSTELLUNGEN
2017    `Neue schwarze Romantik´, Rumänisches Nationalmuseum, Bukarest
2016    `Ecce Creatura´, Kallmann Museum, Ismaning
    `Wahlverwandschaften, German Art since the late 1960s´, National Museum of Latvia, Riga   
2014    `Waffensichten´, Museum Galerie Dachau, Dachau
2013    ‘Weltenschöpfer’, Museum für Bildende Kunst, Leipzig
2011    `I am a Berliner´, Tel Aviv Museum, Israel
2006    `Full House´, Kunsthalle Mannheim
2003    `RePresenting Representation VI´, Arnot Art Museum, New York
2001    `Representing LA´, The Frye Art Museum, Seattle, Art Museum of South Texas and Orange County Museum of Art, LA


SAMMLUNGEN
Sammlung der Bundesrepublik Deutschland
Sammlung des Deutschen Bundestages
Hort Family Collection, New York

 

DIE KUNSTHALLE ERFURT:

Inmitten des historischen Kerns von Erfurt gelegen, hinter der eindrucksvollen Renaissance-Fassade des Hauses zum Roten Ochsen, präsentiert die Kunsthalle Erfurt auf ca. 750 Quadratmetern Fläche in wechselnden Ausstellungen Positionen der bildenden Kunst nationaler und internationaler Provenienz von der Moderne bis in die unmittelbare Gegenwart.

Sie ist somit die größte öffentlich getragene Einrichtung für Wechselausstellungen moderner Kunst in Thüringen. 2016 wurde die Kunsthalle aufwendig umgebaut und im Februar 2017 wieder geöffnet.

Neben retrospektiv oder thematisch ausgerichteten Ausstellungen zu Klassikern der Moderne bietet das Haus vor allem zeitgenössischen bildenden Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland und darüber hinaus regelmäßig ein Podium zur Präsentation ihrer Arbeiten in der Öffentlichkeit.

Seit Mitte der 80er Jahre gewann auch die künstlerische Fotografie einen zunehmenden Stellenwert im Ausstellungsprofil. So werden kontinuierlich wichtige Vertreter der klassischen Fotografie, aber auch experimenteller und grenzüberschreitender Fotokunst in Personalausstellungen vorgestellt.

In der Kunsthalle Erfurt verbinden sich – in baulicher wie inhaltlicher Perspektive – Tradition und Gegenwart, findet man in den Ausstellungen tradierte Bildmedien wie Malerei, Grafik und Bildhauerei neben technischen bzw. methodischen Neuerungen, z. B. in der computergenerierten Fotografie, im Video oder  in raumbezogenen Installationen.