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Ausstellungsansicht Forum Kunst Rottweil
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Soloshow 2015

22. NOV 2015 – 03. JAN 2016

 

 

Friedrichsplatz

78628 Rottweil

TUE, WED and FRI 2pm - 5pm
THU  2pm - 8pm
SAT and SUN   10am - 1pm and 2pm - 8pm

Südkurier 22.12.2015        Stefan Simon


Lust auf Kunst zwischen den Jahren? Das Forum Kunst in Rottweil zeigt aktuell eine Ausstellung mit Werken von Ruprecht von Kaufmann unter dem Titel Größerschnellerbessermehr
?Schwebende Gelbe Säcke und Geister, die Löcher schaufeln: Ruprecht von Kaufmann vor seinem Gemälde „Die Entsorgung“ im Rottweiler Forum Kunst. | Bild: Stefan Simon

Der markante Bürgersaal, die Ausstellungsstätte des Rottweiler Forum Kunst, gilt weit über die Grenzen der Region hinaus als hoch interessanter Ausstellungsort, ist aber für die Präsentation von Malerei nur bedingt geeignet. Zumindest für die traditionelle Form, bei der die Malerei auf eine rechtwinklige Leinwand aufgebracht ist.
Somit ist der herausfordernde Saal eine optimale Spielstätte für den Künstler Rupert von Kaufmann, dessen formal unkonventionelle Gemälde zwischen Malerei, Skulptur und Installation zu verorten sind. Die aus dem Bild laufenden Wandmalereien, die gewölbten Raumkörper, die abgerundeten Ecken erobern im besten Sinne des Wortes den Raum.
Der Künstler lässt die Bildoberfläche, den Bildträger selbst, zur Skulptur werden. Damit sind immer gewisse Teile des Bildes so verzerrt, das der Betrachter gezwungen wird, sich vor dem Bild hin und her zu bewegen, um die Gesamtheit des Bildes erfassen zu können. Im Wechsel zwischen Detail und Gesamtüberblick entsteht die Komposition. Die malerischen Arbeiten machen den Ausstellungsraum so zu einer begehbaren Rauminstallation, in der es auch inhaltlich viel zu entdecken gibt. Denn nicht nur in formaler und technischer Hinsicht bewegt sich von Kaufmann mit seinen Ölmalereien auf Linoleum und Holz zwischen den Lagern, auch in inhaltlicher: Weder will er sich der Malerei der Moderne noch einer narrativen Bildsprache verweigern. Die Arbeiten sind voller Bildzitate.
Wie kommt es dazu? „Ich habe einen sehr eklektischen Geschmack, sehr viele, sehr unterschiedliche Vorbilder“, erklärt der Künstler. Die reichen von Velasquez über Goya zu Rothko. In der Tat ein weites, allumfassendes Feld künstlerischer Positionen, die sich in den Bildwelten von Kaufmanns vereinen. Der größte Teil seiner Inspiration komme aber eigentlich von Schriftstellern und Musikern. Texte von Salman Rushdie oder Jonathan Lethem oder die Liedtexte von Tom Waits sind für ihn sehr wichtige Quellen. Oft sind es nur zwei, drei Worte, die ganze Bilderlawinen in seinem Kopf lostreten.
Kopflose, Löcher schaufelnde Geisterwesen in „Die Entsorgung“, Ruderer, die in grotesker Weise mit Pinselhänden durch das Triptychon „State of the Art“ paddeln, der hinterleuchtete schwebende „Kommunikator“ – es gibt immer etwas, über das man reflektieren kann, wie auch in der Arbeit „Something to Talk about“. Rupert von Kaufmanns Bildszenarien sind voller Geheimnisse und zumindest auf den ersten Blick irrational. Dass er sie in malerischer unorthodoxer Weise dem Betrachter präsentiert, reflektiert doch auch unsere Lebenserfahrung und die Art, wie wir die Welt wahrnehmen, sehr viel besser als die flache Leinwand.
Von Kaufmanns Malerei ist je nach Sichtweise unkonventionell, kryptisch und emotional aufgeladen. Auf alle Fälle ist sie im Rottweiler Bürgersaal ein inspirierendes Plädoyer für die immer mal wieder für tot erklärte Malerei.